Christoph Dahlmann, Geschäftsführer der Allgemeinen Land- und Seespedition (ALS) mit Sitz in Arnsberg, betreut im sauerländischen Arnsberg gut 300 Kunden und das ganz ohne eigene
LKW. Die Zusammenarbeit mit vertrauten Partnern macht es möglich. Für den Mittelständler ist die Vernetzung eine zukunftsweisende Erfolgsgeschichte.
Herr Dahlmann, vor drei Jahren haben Sie eine Logistik-Kooperation mit anderen Unternehmen Ihrer Branche ins Leben gerufen. Aus welcher Motivation heraus, haben Sie sich für die Gründung eines Netzwerks entschieden?
Dahlmann: Anfang 2009 sind wir mit 13 Unternehmen gestartet und haben das Netzwerk Transcoop 09 gegründet. Das Motto unseres Zusammenschlusses „Partner statt Einzelkämpfer“ ist eindeutig. Wir setzen auf gemeinsames Arbeiten, um gegenseitig von Synergien und Wissen zu profitieren. Vor diesem Hintergrund ist ein hervorragendes Netzwerk entstanden. Es trägt sich durch ein außergewöhnliches Vertrauensverhältnis der Partner untereinander. Bis heute haben sich bereits 50 inhabergeführte Unternehmen in zehn europäischen Ländern unserem Teil- und Komplettladungsverbund angeschlossen. Wobei der Ladungstausch als Basis der kleinste gemeinsame Nenner ist. Vielmehr noch steht die Transcoop09 heute für einen Gedankenaustausch auf Augenhöhe, Vielfalt der Erfahrung, Vertrauen, gegenseitige Beratung und Unterstützung in allen Unternehmensbereichen. Kooperation ist nicht eindimensional. Fruchtbares Miteinander muß möglichst alle Geschäftsbereiche ansprechen. Transcoop09 ist eine Kooperation mit einem starken Fundament, das die Mitglieder in einen (Verhaltens) Kodex gegossen haben. Gemeinsam verfasst, verabschiedet und gemeinsam gelebt. Ziel ist es, die Kooperation zu einem sogenannten „selfmade Netzwerk“ zu entwickeln.
Zudem sind wir stolz darauf, mittlerweile auch international eine Erfolgsgeschichte zu schreiben.
Warum ist eine Vernetzung für Sie so wichtig? Welche Vorteile bringt eine Vernetzung für die Wettbewerbsstärke Ihres Unternehmens konkret in der Praxis?
Dahlmann: Wir sind als Logistikdienstleister heute sehr breit aufgestellt und stehen für europäische Land-, sowie innerdeutsche Verkehre in Verbindung zu den Nord- und Ostseehäfen. Das Spektrum reicht von Auslandstransporten über LKW-Inland-, Spezial- und Sondertransporte, bis hin zu Luft- und Seefracht weltweit, Bahnfracht, Lagerung und Zollabfertigung. Die große Breite unseres Dienstleistungsspektrums sowie die nationale und internationale Vernetzung haben dazu beigetragen, dass wir eine feste Größe in der Branche einnehmen. Die Vernetzung birgt für uns viele Synergien. Ein Beispiel: Wir sind ein Logistikdienstleister, der jedoch komplett auf einen eigenen Fuhrpark verzichtet. Hier kommt uns das Netzwerk zugute, in dem mittlerweile mehr als 3000 „ziehende Einheiten“ bereitstehen. Unsere Transportaufträge übergeben wir festen Frachtführern und wir konzentrieren uns auf die Kunden- Akquise und die Distribution. Auf diese Weise entsteht für beide Seiten eine Win-Win-Situation.
Für kleinere Unternehmen bietet die Transcoop 09 die Chance ein größeres Leistungsangebot anzubieten, da sie auf die entsprechenden Transport- und Lagerkapazitäten der Kooperation zurückgreifen können. Durch die Kooperation Transcoop09 können natürlich auch Synergien beim Einkauf genutzt werden. Reifen, Kraftstoffe oder Versicherungen bieten erhebliches Einsparpotenzial.
Wer kann Ihrem Verbund beitreten, bzw. welche Aufnahmekriterien muss das Unternehmen erfüllen?
Dahlmann: Wer sich an der Transcoop09 beteiligen möchte, muss sein Unternehmen auf einer der regelmäßig stattfindenden Mitgliedertreffen vorstellen. Dort stimmen dann die Mitglieder über eine Aufnahme des Bewerbers ab. Nach festgelegten Kriterien wird geprüft,ob das Unternehmen zur Kooperation passt.
Ein wesentlicher Aspekt der Kooperation ist die optimierte Vernetzung der Disponenten miteinander. Darüber hinaus spielt die Verlässlichkeit der Mitglieder eine zentrale Rolle. Man kennt sich untereinander. Ein Vorteil, der letztlich auch dem Kunden zu Gute kommt.
In vielen Branchen macht sich auf lange Sicht ein Mangel an Fachkräften bemerkbar. Viele Logistikdienstleister haben bereits heute Schwierigkeiten, Fahrer zu rekrutieren. Kann das Netzwerk auch hier Unterstützung leisten?
Dahlmann: Das Thema Fahrerrekrutierung ist ein ernstzunehmendes Problem. In den nächsten 15 Jahren gehen bundesweit 260.000 Berufskraftfahrer in den Ruhestand. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge reicht bei Weitem nicht aus, um diese Lücke zu schließen.
Auch die Fuhrunternehmer müssen sich an ihre Nase fassen, das Ausbildungsengagement in ihren Betrieben ist gering. Immer noch scheuen viele Unternehmer die oft sehr zeitaufwendige Arbeit. Dabei stehen den jungen Berufseinsteigern heute moderne und gute LKWs zur Verfügung. Und auch an guten Schulungsmaßnahmen fehlt es nicht.
TRANSCOOP 09
50 Mitgliedsunternehmen gehören der Logistik-Kooperation Transcoop 09 an. Sie sind an über 55 Standorten national und international in Deutschland, Österreich, Polen, Litauen, Tschechien, der Schweiz, der Türkei und in Ungarn aktiv. Insgesamt verfügen sie über 3.000 sogenannte ziehende Einheiten und über 500.000 Quadratmeter Lager- und Umschlagflächen sowie 50.000 Quadratmeter Gefahrgutlager. In den Mitgliedsunternehmen sind über 3500 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Jahresumsatz von gut 750 Millionen Euro erwirtschaften.
Regelmäßige Vollversammlungen und Disponententreffen dienen dem Informationsaustausch. Der 2. Transcoop09-Kongress findet am 6. Februar 2013 in Darmstadt statt.
Dieser Artikel erschien im September 2012 im Magazin Markt & Wirtschaft.
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